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  • AutorenbildElvira Schmidt

In „Hoefti`s“ Holzgoldmine oder Wo meine Kunst auf Altholz begann ...

So manch magische Geschichte, beginnt mit:

Es war einmal…


Und da meine Malerei auf Holz für mich noch immer etwas Magisches hat, hhhmmm während ich das so schreibe, spüre ich, dass es eigentlich passender ist zu sagen:

Die Faszination nimmt von Holzbild zu Holzbild weiter zu.


Es war also einmal … eine ziemlich frisch in den Chiemgau Gezogene, die seit ihrer Abizeit immer ein Skizzenbuch mit sich herumtrug.

Dort flossen Gedanken hinein und manchmal verwandelten sich Wörter in Linien. Und manchmal auch umgekehrt.

Hier war das Zuhause von zahlreichen Tieren, vor denen ich oft stundenlang saß, um sie zu zeichnen. Vor allem im Zoo konnte ich ganze Tage verbringen, um Fische, Antilopen, Elefanten und Vögel zu zeichnen. Gut war es übrigens sich Tiere zu nehmen, die im Herdenverband oder Schwärmen lebten und nicht gerade unter Hyperaktivität litten. Denn huuusch, huussch … und man schaute mit dem Zeichenstift in`s Gebirge.


Und dann gab es noch den Sog, meist in einem ruhigen Moment, also am Ende des Tages oder auf langen Bahnfahrten, das Skizzenbuch aufzuschlagen, den Stift anzusetzen und einfach loszuzeichnen. Hirn aus, nur der Linien folgen… Mal ganz zart und ruhig, mal mit viel Druck und Power.

Auf diese Weise entstanden Landschaften, Gesichter, menschliche Wesen, allerlei Getier und manchmal auch Gestalten, die ich nicht kannte. Diese fragte nicht groß, sie erschienen. Und, sie wurden zahlreicher. Sie sahen oft etwas eigenartig aus, aber was sie gemeinsam hatten war, dass eine gewisse Ruhe und Freundlichkeit von Ihnen ausging.

Ja, man kann sagen, dass ich mich, nach dem ersten Erstaunen immer wohler mit ihnen fühlte.


Meine Skizzenbuchsammlung wuchs und wuchs

Da es immer viel zu zeichnen, zu denken und reflektieren gab, wuchsen die Skizzenbücher zu einer Sammlung. Mein Abi war 1993 und nun springen wir mal in das Jahr 2012. Da kam schon etwas zusammen.

Große Liebe Skizzenbuch, aber eines konnte man mit Ihnen nicht:

Skizzenbücher kann man schlecht oder nur vereinzelt ausstellen.


Seit einiger Zeit rumorte es jedoch innerlich:

Es sollte etwas entstehen, das man ausstellen konnte.


Mit diesem innerlichen Rumoren, fuhr ich nach Berlin. Und in Neukölln, stolperte ich dann in einen kleinen Laden, in dem lauter Malereien auf Holz, genauer gesagt auf Holzfundstücken ausgestellt waren.

Ein erster Rundumblick und irgendetwas machte innerlich laut und vernehmlich „Klack“.

Meine Gedanken und inneren Bilder beschleunigten sich geradezu irrwitzig und ich kam mir vor wie eine Comicfigur über der eine Reihe Glühbirnen aufflammte.

DAS wollte ich auch probieren! Unbedingt!

Aber woher nehmen?


Wieder Zuhause lief mir der „Hoefti“ über den Weg

Das erste „Opfer“, das mir, wieder Zuhause, über den Weg lief, war der „Hoefti“. Ich hatte ihn mal wieder in seinem Lagerverkauf „Altes mit Charme“ besucht. Als Liebhaberin und immer schon Second Hand Fan, war ich häufig bei ihm zu Gast und stöberte in alten Zeitungen, Möbeln, Plakaten und Büchern.

Dabei hatte ich ihm total geflasht von meinem Besuch in Berlin und meinem Vorhaben erzählt. Ein paar Tage später, klingelte das Telefon:

„Also, pass auf“ sagte Hoefti „Bei mir hinterm Lodn städ a Anhänger voi mit Hoiz und der kimmt moin wegat.“


Etwas begriffsstutzig, fragte ich: „Wie weg?“

„Na, auf`n Wertstoffhof. Kimmst vorher vorbei und nimmst wos brauchst. Konnst a ois nemma.“


In der Nacht schüttete es dann durchgehend. Nächtlicher Dauerregen.

Am nächsten Tag startet ich meinen Fiat Seicento, meine Güte habe ich dieses kleine Auto, das ich „Blauer Blitz“ getauft hatte, geliebt und fuhr Richtung Holzgoldmine.

Und tatsächlich: hinter dem Stall, stand ein Anhänger. Darin hoch aufgehäuft: Holzbretter, zerbrochene Möbelteilstücke und allerlei Kleinteile wie zum Beispiel Holzlöffel.


Ich begann etwas schüchtern ein paar schmale Brettchen einzupacken und einen Holzlöffel

„Is des ois“ rief der Hoefti und blickte in den Kofferraum des „Blauen Blitzes“.

„Nimm da ruhig mehra oder ois“.


Also zurück zum Anhänger und nun, schaute ich, das erste Mal richtig hin.

Da gab es ein wunderschönes Kommodenteil mit beigefarbenen, hellem Lack.

Also, rein damit in den Kofferraum.

Bretter, die mit Schlamm überzogen schienen. Aber, was war wohl unter der Dreckschicht?

Also, rein damit.

Ein altes, total verkratztes Türchen von einem Schlafkastl.

Rein damit.


Mit jedem Stück, das ich in die Hand nahm, wurde meine innere Aufregung größer.

Ich blickte strich über Oberflächen, wendete die Stücke hin und her, wie andere Diamanten an`s Licht halten, um sie glänzen und glitzern zu lassen.

Stück für Stück füllte sich der Kofferraum meines italienischen „Raumwunders“, wie ich den Blauen Blitz auch nannte.

Bis er schließlich randvoll war.


Ich war so aufgeregt, dass ich kaum sprechen konnte und Hoefti war zufrieden.

„Na siegst, da is uns beiden geholfen. G`freid mi.“

Und mich erst, dachte ich und hoffentlich, sagte ich es auch.


Auf der Rückfahrt feierte mein inneres Team Party

Warum, wusste ich noch nicht, aber auch jeden Fall tanzte, die sonst eher feine Dame Inspiration „wie auf einem Boss Konzert“. Der Ideenhund kläffte und raste durch die Gegend und ein paar lose Ideenfäden vibrierten und schwofften im Takt. Im Blauen Blitz ging die Luzie ab.


Ich wusste nicht so genau was hier geschah, aber was ich eindeutig spürte:

DAS hier war „guada Stoff“, den ich geladen hatte.


Als ich mit Schwung auf den Hof gefahren kam, öffnete sich, wie zufällig, die Tür zum gemeinsamen Hausgang.

„Ja, griaß Di, wos host denn do eikafft“ fragte meine damalige Vermieterin, eine rundliche Bäuerin mit Kittelschürze und schneeweißen kurzen Löckchen im Ruhestand.

„Die Bredln“ antwortete ich und begann diese, wohlgemerkt es hatte die ganze Nacht vorher geregnet, nach oben in meine Wohnung zu tragen. Erst mal in die Badewanne, zum Trocknen.


Die alte Dame, nennen wir sie mal Maria, das ist hier im Chiemgau, recht unverfänglich, denn hier scheint gefühlt jede zweite Frau so zu heißen. Maria jedenfalls stand auf einmal der Schrecken in`s Gesicht geschrieben. Mit etwas krächzender Stimmte sagte sie, den inzwischen vielzitierten Satz:

„Mei Dirndl, wos machst denn mit de dafeiden Bredl`n?“


„Moin“ (malen) antwortete ich.

„Wos´?“ jetzt schrie sie fast. „Des kafft doch koana“

Ich weiß, tatsächlich nicht mehr, was mich veranlasste, folgenden Satz zu sagen.

„Des wern ma scho sehg`n“


Ich war damals wahrlich weit weg davon, mit einer unerschütterlichen, inneren Sicherheit ausgestattet worden zu sein, aber in diesem Moment, sprach ich einfach das aus, was ich klar und deutlich spürte.


Und dieses Gefühl sollte recht behalten

Was bleibt ist, der Dank an Hoefti, der mich vom Rumspinnen in`s Machen getrieben hat und zwar nur ein paar Tage, nachdem es in Berlin „Klack“ gemacht hatte.

Diese Episode, habe ich inzwischen auf vielen Vernissagen, Führungen und Blogartikeln erzählt. Sie ist Teil meiner Geschichte geworden.


Manchmal stellt ein Mensch, der an einen denkt, den Hörer in die Hand nimmt oder heutzutage eine Whatsapp schreibt, die Weichen für etwas Neues.

Und hier, hatte etwas richtig Gutes begonnen. Das war zu spüren.

Ohne das Telefonat vom Hoefti, wer weiß, ob ich dort wäre, wo ich jetzt bin.

Danke !


Thomas Hoeft bietet: Verkauf von Altem / Verleih / Dekoration / Ankauf & Entrümpelungen 💚 Hoefti`s Wunderkammer lege ich Euch wärmstens an`s Herz. Kontakt: Chiemgaustrasse 33 (ehemalige Backstuben) 83123 Evenhausen (bei Amerang) Termine nur nach Vereinbarung 08075 - 91 68 28 0174 - 91 23 152 📩 hoeftanix@web.de www.altesmitcharme.de (Unbezahlte Werbung)



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