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  • AutorenbildElvira Schmidt

Ein Kommodenteil feiert die Frauensolidarität!



Seit ich angefangen habe auf Holz zu malen, finden die Holzfundstücke mich, ohne dass ich nach ihnen suche.

In diesem Fall, war es ein ziemlich mitgenommenes Kommodenteil. Es war Teil der aller-, allerersten Holzfuhre, die ich damals 2012 pritschnass und dreckig, vom Hoefti in meine Wohnung auf einem Einödhof fuhr. (Den Blogbeitrag zum Hoefti findet Ihr hier).


Lange wurden in dieser Kommode Sachen aufbewahrt. Vielleicht Sommer- und Winterbekleidung, vielleicht Handtücher oder Bettwäsche. Oder etwas ganz anderes.

Bei wem, war sie wohl im Zimmer gestanden?

Wen hatte sie durch Lebensabschnitte begleitet?

Welche Geschichten könnte sie erzählen?

Welche Dramen? Welche Geheimnisse?

Wer weiß das schon?


Als ich das Holzteil auf meinen Arbeitstisch legte, hat mich besonders der beigefarbene Lack wie ein Magnet angezogen. Er war an einigen Stellen noch ganz dicht und vollständig. An anderen beschädigt und an anderen gar nicht mehr vorhanden. Und dann waren da Bereiche, wo er abgeschabt und abgeplatzt war, so dass noch eine leicht bläuliche Schicht hervortrat.


Beim ersten Betrachten, war ich mir tatsächlich nicht sicher, ob Abschleifen nicht doch eine Option wäre.


Vor allem, weil ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wie sich die Farbe verhalten würde auf der Oberfläche.

Würde mein Vorhaben, auf dieser Oberfläche zu malen überhaupt funktionieren?

Würde die Acrylfarbe überhaupt halten oder einfach abperlen?

Genug nachgedacht.

Ich fange einfach an:

Wie immer erstmal vor dem Bild sitzend und die Oberfläche mit den Augen abtastend.

Was ist darin verborgen?

Was erzählt es jetzt schon, ohne mich?


Und dann gibt es einen Ruck. Ich setze den Stift an und zeichne. Folge Abschabungen.

Meist sehe ich zuerst Augen und um diese herum bilden sich Köpfe oder Körper. Manchmal menschliche, manchmal sind es auch tierische oder Mischwesen.

Dieses Mal schaut mich auf einmal eine Frau an. Sie blickt mir direkt in die Augen.

Und zu ihr gesellen sich andere Frauen. Große, kleine, mit den verschiedensten Frisuren und Körperformen.


Auf einen Schlag, weiß ich: Dies wird ein Frauenbild.


Eines, das den Zusammenhalt und die Solidarität unter Frauen feiert und sichtbar macht.

Eine Frau nach der anderen, erhebt sich aus der Holzoberfläche. Manche kommen mir bekannt vor, andere habe ich noch nie gesehen.

Was ich aber spüre ist, dass sich dieses Bild manifestiert, als Dank an alle Frauen um mich herum, die sich gegenseitig nach oben heben und unterstützen. „Uplifting“ – auf einmal ist dieses Wort in meinem Kopf.


Was wäre ich ohne meine Freundinnen.

Was? Was? Was?

Und vor allem:

Wer? Wer? Wer?


Sie sind mir so wichtige Spiegel, sie begleiten mich, sie waren immer da. Einige seit meiner Jugend. Andere kamen in der Studienzeit in mein Leben. Andere noch später.

Sie sind in weiten Umlaufbahnen verstreut in alle Himmelsrichtungen, innerhalb von Deutschland, aber auch viel weiter weg. Die Frequenzen, in denen wir voneinander hören, sind sehr unterschiedlich, aber eines weiß ich: Sie sind da – immer!

Wir haben das Leben gefeiert, Beziehungen von allen Seiten beleuchtet, einige Partner kommen und gehen sehen und als die ersten Einschläge des Lebens uns trafen, waren die Türen immer offen und die Telefone stundenlang belegt.


Wir gingen und gehen in das Unterholz unserer Fragen.


Jede von uns bekommt ihre Zeit dazu, in der eine redet, redet, redet und die andere zuhört, immer wieder nachfragt, um alle Aspekte zu erfassen. Und wenn wir dann da durchgeknackst und gestiefelt sind, dann treten wir wieder heraus. Befinden uns auf einer Lichtung, blinzeln in die Sonne, atmen durch, lächeln. Und wenn sich unsere Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt haben, sehen wir den Pfad, auf dem es weiter geht. Denn in uns ist eine innere Waldlichtung entstanden, die wir mitnehmen. Die jetzt Teil von uns ist.


Genau dieses Gefühl soll mein Holzbild transportieren.

„Head up high, ladies!“ schiesst es mir in den Kopf. „We are all connected.“

„Kopf hoch Ihr Frauen! Wir sind alle verbunden.“

Das ist der Titel!


Und ich spüre, dass dort auch Frauen auf dem Bild sind, die mit einer kurzen Begegnung, einer Unterhaltung, einer Tat, eine kleine oder große Weichenveränderung bewirkt haben. Sie sind aufgetaucht, als es wichtig war.

Und stehen diese so unterschiedlichen Frauen nicht auch zusammen wie ein Wald mit seinen Bäumen?

Genau diese Verbindung ist es, die uns eint und stark macht.


Ach ja, mein Bild!

Die Farbe hat gehalten. An manchen Stellen musste ich mehrfach darüber malen. An manchen Stellen haftet die Farbe sehr zart. Wie sehr ich diesen Prozess liebe. Wenn das Holz mit meinem Inneren korrespondiert und daraus eines meiner Holzbilder entsteht.

Ein bleibendes Manifest aus Holz für unsere gegenseitige Unterstützung im „Jetzt“.

Das im „Später“ diese unbeschreibliche Kraft weiterwirken lässt.


Und um den Kreis zu schließen, hängt „Head up high, ladies!“ nun bis Ende 2023 in der kleinen, feinen Ausstellung „Holz, Zeit & Poesie“, der Beratungstelle Guide e.V. im Münchner Westend.

Besser könnte es nicht passen!

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„Head up high, ladies“ ist zu verkaufen und sucht einen Platz, wo es jeden Tag seine Kraft entfalten kann und darf.

Anfragen bitte unter: info@elvira-schmidt.de oder telefonisch 08075 91 302 91




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