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Elvira Schmidt  Kunst auf Holz - Grafik & Collage
von Stefanie Sachs, Dipl. Kulturwissenschaftlerin
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Elvira Schmidt, 1973 in München geboren, nennt ihre besondere Malerei „Kunst auf Holz“.
Daneben malt, zeichnet und collagiert sie auch auf Papier.

„Holz mit Vergangenheit“ als Bilduntergrund ist seit 2012 in den Mittelpunkt ihres Schaffens gerückt, und dabei kann man erstaunt sein, nicht nur, was alles auf diesem Holz erscheint, sondern auch, was ihr als Bilduntergrund dient:

 „Die Bretter oder Kommodenteile habe ich zum Teil vor dem Wegwerfen gerettet. Manche begegnen mir in Form von Türchen oder Türen auf Dachböden. Die Formate reichen von kleinen Brettchen über größere, längliche Bretter bis hin zu Schranktüren. In letzter Zeit werde ich immer häufiger „gerufen“, wenn eine Scheune etc. abgerissen wird oder Leute bringen mir ihre Fundstücke vorbei, weil sie wollen, dass diese „weiterleben. Ebenso bekomme ich mittlerweile Aufträge mit der Bitte, Fund- oder Erbstücke, künstlerisch zu bearbeiten.

Wie kam es für die Künstlerin zur Wahl dieser besonderen Objekte?

Ihr Werdegang führte sie, nach dem Start an der Universität Hildesheim (Kulturpädagogik mit Hauptfach bildende Kunst) über Zeichnen und Druckgrafik zur Malerei. Literatur ist ihr Steckenpferd, mit Sprache spielt sie gern.

Seit 1994 hat sie über 35 Skizzenbücher gefüllt aus denen sich Figuren und Darstellungen, zum Teil auch als Collageelemente, heimlich still und leise auf das alte Holz schleichen und dort weiterleben. Das Holz bietet ihr nicht nur die Möglichkeit eines interessanten Bildgrundes sondern vor allem die Chance einzigartige Geschichten zu erschaffen. Ein faszinierender Dialog mit dem Holz, seinem Charakter und seiner Vergangenheit sind die Grundlage dieser beeindruckenden Bilder.

Die Malerei auf altem Holz ist vielschichtig sowohl in der Arbeitsweise als auch in der poetischen Tiefe. Die Acrylfarbe wird in mehreren lasierenden Schichten aufgetragen, Collageelemente aus alten Büchern kontrastieren und konkretisieren die  Figuren, das Holz liefert einen reliefartigen Untergrund. Seine Spuren – Risse, Abschabungen, (Ast-)löcher offenbaren Linien, die Elvira Schmidt verfolgt, freilegt oder nachzeichnet. Aus den Linien ergeben sich Landschaften, Figuren, Tiere.

Jeder Bilduntergrund hat seine eigene Sprache, die die Künstlerin dechiffriert und verborgene Welten sichtbar macht.

Es ist verzaubernd ihr dabei zu folgen. Poetische, unbekannte Szenen  erscheinen. Astlöcher werden zu Augen, Löcher von Holzwürmern zu Luftblasen. Die Haarpracht einer Dame enthüllt gleichzeitig ihr gedankliches Innenleben durch das Blatt mit altem Schriftzug, auf der die Erlauchte ihre Existenz gründet.

Unbekannt und neu sind diese Welten, freundlich und skurril. Und doch klingen sie in der Seele irgendwie bekannt wieder, denn Landschaft und Figuren strahlen eine eigene, anrührende Würde aus. Man hält sich gerne auf in dieser oftmals traumwandlerischen Welt, in der Humor und Lebendigkeit eine große Rolle spielen.

Die phantastischen Figuren und das alte Holz vereinen Vergangenes mit neu zu Schauendem. Sie laden ein zu einer Entdeckungsreise: Lässt man sich auf die Bilder ein, wird man Teil eines großen Respekts vor dem Leben und einer reinen Freude am Lebendigen.

Der besondere Dialog mit dem Holz und das Mitspracherecht des Materials machen es dem Betrachter geradezu unmöglich, nicht Teil der Bildwelt von Elvira Schmidt zu werden und erheitert, beflügelt und mit bereichertem Herzen von ihrem Werk aufzublicken.

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Herzlichen Dank für diese Rezension an Stefanie Sachs.