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11.07.2019

Vierte Kolumne zur "Expedition Hoiz"

Jaaa, ich war tatsächlich abgetaucht.
Abgetaucht im Chiemgauer Sommer und deshalb arbeitete ich an meiner Kolumne quasi mental, jedoch schaffte ich es nicht in mein Büro an den PC.
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…und als Entschuldigung halte ich eine weiße Friedensflagge hoch, auf der steht:
„Auf die Dauer der Zeit, nimmt die Seele die Farben Deiner Gedanken an.“ Gesagt hat das Marcus Aurelius.
Was da so plätschert?
Ja, ich geb`s ja zu, ich tauche gerade schon wieder aus einem der Chiemgauer Seen auf. Es ist einfach zu verlockend sich etwas abzukühlen. Denn es ist heiß, richtig heiß und das seit Wochen.
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Das Gedanken über ein konkretes Erleben im Gehirn so ankommen, als wäre es tatsächlich real geschehen, hat bestimmt, der ein oder andere schon einmal gehört.
Dies heißt dann, dass diese „Farben der Gedanken“ sich unmittelbar auf unser seelisches, im besten Fall, „Wohl“-Befinden auswirkt.
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Meine Augenmensch - Ratio, fragt sich immer wieder, ob dies auch für äußere Eindrücke und Wahrnehmungen gilt.
Also, ob sich auch eine Landschaft unmittelbar auf den Zustand der Seele auswirken kann.
„Was für eine Frage!“ poltert der ehemalige bayerische Ministerpräsident.
„Bayern ist die Vorstufe zum Paradies“.
(Ähhh Moment mal, den wollte ich hier eigentlich nicht zu Wort kommen lassen, aber ganz ohne geht es in Bayern anscheinend nicht.)
Ich bevorzuge eher die feinstoffliche, als die Bierzeltbetrachtungsebene.
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Und ja, natürlich wirkt sich das Äußere auf das Innere aus, sagt meine Intuition, mein Gefühl, meine Seele.
Wenn man den Blick weit stellen kann für die Alpenkette, die Wasseroberflächen der Seen, die Sonnenuntergänge, „Ausblicke die süchtig machen“ (Zitat Mathias) und deshalb einfach immer weiter gehen, weiter schwimmen und weiter blicken möchte.
Vielleicht kann man dann, den Zoom für die Detailschönheiten umso schärfer stellen und so eine einzigartige Brotzeit zu sich nehmen.
Eine Brotzeit für Augen und Seele.
Über eine längere Zeit im letzten Winter habe ich mein Bild „Das Beste am Sommer“ gemalt und beendet.
Es entstand auf einem Fundstück, wie ich es bisher noch nicht besessen hatte. Eine Lastentrage mit vier Trageholmen. Grob verbundene Bretter mit Rückständen von Zement oder ähnlichem darauf. Es befand sich in einer Riesenscheune, die vom Einsturz gefährdet, abgerissen werden sollte. Ich musste es erstmal zusammennageln und stabilisieren, dann blickte ich skeptisch auf besagte Oberflächenstruktur. Konnte man darauf wirklich malen?
Ja, und wie, war die Antwort. Auf der Trage entstand ein Unterwasserkosmos mit Fischen, Bergketten, Himmelstieren und skurrilen Unterwasserwesen. Dazwischen ein auftauchender Schwimmer mit einer roten Badekappe mit weißen Punkten.
…und ich malte und malte, während an manchen Tagen weiße Atemwolken Richtung Werkstattdecke stiegen, weil es so kalt war.
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„Das Beste am Sommer“ gemalt auf einer Trage, die wer weiß wieviele und welche Lasten über Jahre vielleicht Jahrzehnte transportiert hatte, trug mich durch einen der schneereichsten Winter an den ich mich erinnern kann. Einen Winter, der uns mit meterhohen Schneewänden segnete und uns schon vor der Arbeit wochenlang stundenlang Schnee schaufeln ließ…
Es hauchte durch die Kälte ein Versprechen und streichelte meine Seele durch mehrere grippale Infekte.
Und ich dachte an Frederick die Maus. Ein (Kinder-) buch, das 1967 erstmalig erschien und vom italienischen Autor, Maler und Grafiker Leo Lionni geschrieben wurde. Darin sitzt Frederick, die Maus auf einem Stein, während seine Spezl Vorräte für den Winter sammeln, sammelt er Sonnenstrahlen, Farben und Wörter.
Im Winter dann, der nicht enden will, werden seine Worte zu Gedichten, seine Erinnerungen an Sonnenstrahlen wärmen das Herz und die bunten Farben schmücken alles festlich aus…
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Was ich jetzt mache?
Ich fahre zum Schwimmen, den Sommer spüren und sammeln.
Und zwar den ganzen, denn…
die Winter im Chiemgau können hart sein.
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Also, raus mit Euch zu den Sonnenstrahlen, Farben, Wörtern, Erlebnissen, Geschichten…
Denn das sind die wirklich wichtigen Vorräte, nicht nur für den Winter, sondern für das Leben.

 

Elvira Schmidt

geboren 1973 in München, lebt im Chiemgau
Malt, zeichnet und schreibt schon immer. Studium: Kulturwissenschaften und Sozialwesen.
Malte 2012 ihr erstes Bild auf einem Holzfundstück und folgt seit dem Spuren auf Holz.

Seit 2016 Konzeption der Ausstellungsreihe „Expedition Hoiz“ mit dem Holzbildhauer Mathias Schneider. Die Ausstellungsreihe, die sich ständig durch neue und verkaufte Arbeiten verändert, war bisher an zahlreichen Standorten u.a. im Landwirtschaftsministerium München zu sehen.

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