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17.08.2019

Fünfte Kolumne zur "Expedition Hoiz

Servus, liebe Expeditionsteilnehmer und Leser,
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diesmal melde ich mich bei Euch aus dem Süden. Genauer gesagt vom Mittelmeer, Kroatien, Istrien.
Ja, ich gebe es zu, die Reise ist eine Gedankenreise in einen vergangenen Sommer am Meer.
Noch ist die Ferienzeit für uns nicht gekommen, um so reizvoller ist es, schonmal im Kopf zu reisen.

Oft werden wir von Besuchern, Interessenten und Kunden gefragt, wie wir unsere Ideen finden. Diese Frage impliziert, dass der Künstler bei diesem Prozess, der aktive Part zu sein scheint.

Meine Erfahrung ist jedoch, dass uns eine Idee findet.
Ausgangspunkt ist, dass eine bestimmte Idee sich formlos und nicht wahrgenommen fühlt.
Sie mäandert durch die Welt und … niemanden interessiert sich für sie. Ein auf Dauer für die Idee sehr unbefriedigender Zustand. Im Ideenland gibt es dafür jedoch eine Institution.
Es gibt den Ideenhund.
Die Idee pfeift auf der Hundepfeife und ruft den Ideenhund herbei.
Nach kurzer Unterredung (sie sprechen die gleiche Sprache) nimmt der Ideenhund den Auftrag an und setzt sich auf die Spur. (Der Ideenhund ist übrigens freiberuflich tätig. Er muss nicht jeden Auftrag annehmen, sondern nur jenen, der ihn wirklich interessiert.)

Diesmal jedoch senkt er seine Schnüffelnase auf den Boden und hechelt leicht hyperaktiv des Weges. Ihm begegnen vielerlei Menschen: große, kleine, dicke, dünne, schlaue und weniger schlaue, zufriedene und unzufriedene, traurige und fröhliche…

Der Ideenhund jedoch hat einen sicheren Instinkt.
Untrüglich und instinktiv, scannt er einen bestimmten Ausdruck im Inneren und Äußeren, der ihm begegnenden Menschen ab.
…und dann?
Dann wirft er den Ideen Knochen.
Zu erwähnen ist, dass der Ideenhund unsichtbar ist, denn sonst könnte er seinen Job nicht derart erfolgreich ausüben.
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Zurück nach Istrien, an eine dieser charakteristischen Felsenküsten.
Dort platschte der Ideenknochen direkt in die glasklare Türkispalette des Meeres und zwar direkt vor einen betonierten ca. 20 m langen Steg.
Mathias und ich, waren dort ein Minipublikum an dieser eindrucksvollen Meeresbühne mit Laufsteg.
Wir saßen am Ufer und hatten es uns mit Isomatten, abgestimmt auf die kroatischen Verhältnisse, so bequem wie möglich gemacht.
Dort spielte sich zu verschiedenen Tageszeiten vorwiegend nach dem Mittag- oder Abendessen folgende Szene in unterschiedlichster Besetzung ab:
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Die Beschaffenheit des Steges, schien Menschen zu sehr, sehr ähnlichen Verhaltensweisen zu veranlassen.
Eine Person betrat den Steg, schaute suchend nach links und rechts. Dann ging sie mehr oder weniger zielstrebig, mehr oder weniger schnell, bis an dessen Ende.
Aufrecht stehend, blickte sie erst in die Ferne, dann lange und wie hypnotisiert in`s Wasser.
Häufig sehr lange…
Irgendwann riss sie sich dann von diesem Anblick los und drehte entweder um oder stieg über eine Leiter in`s Wasser.
Wir sahen höchst unterschiedliche Menschen den Steg betreten und dieses Ritual durchführen. Darunter waren auch einige sehr gut beleibte Herr-, Damen- und Diverseschaften.
Ja, und ich gebe es zu, immer wenn ein besonders auffälliger Mensch die Szene betrat, war der Anblick besonders unterhaltsam.
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Irgendwann meinte Mathias:
„Was wäre, wenn man diesem Schwimmer in spe, meistens sehr gut genährt vom Urlaubsbuffet, ein Gegenüber setzen würde?
Ein Gegenüber, das durchaus einen guten, saftigen Happen vertragen könnte?
Ein Gegenüber, das sich verborgen, unbemerkt und lauernd unter der Wasseroberfläche befindet…?“

Anmerkung der Regie: An dieser Stelle jault der Ideenhund, natürlich im Stummschaltmodus und überschlägt sich fast wedelnd vor Freude. Denn er weiß, sein Honorar für heute, ist ihm von seiner Auftraggeberin, der Idee sicher.

Und tatsächlich … noch am gleichen Tag entstanden die ersten groben Ideenskizzen.
Auf einem kleinen Skizzenblock, tauchten sie das erste Mal auf:
Eine Krake und ein Mann.
Zu Hause, angekommen im Chiemgauer Herbst, hatte sich der Holzbildhauer dann folgende Frage zu stellen:
Wie bekommt man eine lauernde Krake und einen beleibten Mann zusammen auf ein Stück Holz?
Die Antwort war ein 1,5 m Birkenstamm.
Auf diesem wurde eine Skizze gezeichnet, daraufhin grob die Konturen mit der Motorsäge geschnitten. Daraufhin erfolgte die Feinarbeit mit den Schnitzeisen.
Wichtig war Mathias, dass der skizzenhafte Charakter erhalten blieb.
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Dann kam die Farbe für die Krake: ein leuchtendes kräftiges Rot. Ein wahrer Hingucker.
Der Mann bekam eine blaue Badehose und eine gelbe Badekappe mit weißen Tupfen..
In mehreren Ausstellungen platziert, wurde die „Fette Beute“, denn so hieß die Figur inzwischen zu einem Aushängeschild unserer Ausstellungsreihe „Expedition Hoiz“.
Oft wurde Mathias darauf angesprochen und das Original war schnell verkauft.
Jemand hatte sich über ein Foto, dass seine Frau beim Ausstellungsbesuch gemacht hatte, in die fette Beute verliebt und diese ratz fatz gekauft.
Besonders schön war, die Abholung durch die gesamte Familie mit deren zwei Kindern. Es machte fast den Eindruck ein neues Haustier würde einziehen.
Mathias bekam immer wieder ein paar Fotos zugeschickt, in dem die Fette Beute jahreszeitlich von den Kids dekoriert wurde. Besonders anzusehen zu Weihnachten.
So soll Kunst sein. Mitten im Leben.
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…und das Thema „Fette Beute“ kann sich beim Ideenhund bedanken.
Inzwischen gibt es einige Varianten. Eine besonders auffällige steht in einer Anwaltskanzlei in München. Dort schaut ein Punker mit Irokesenschnitt gedankenverloren auf `s Wasser.
Der Ausgang auch hier, wie bei vielen von Mathias Figuren … ungewiß. 
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Das „Expedition Hoiz Team“ wünscht einen schönen Urlaub.
Und passt auf, dass Ihr nicht selbst zur fetten Beute werdet.

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