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02.12.2019

Achte Kolumne "Expedition Hoiz"

Vom hyperaktiven Ideenhund und der Dame Inspiration

Ja, ich weiß, heute ist es etwas frisch hier, denn der Winter ist in‘s Land gezogen und heute habe ich den Holzofen in der Werkstatt noch nicht angeheizt.
Da müsst Ihr jetzt durch, denn Ihr wolltet mich ja begleiten in unsere Werkstatt, wo wir auf Spurensuche gehen.
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Gerade steht ein trapezförmiges Fensterbrett auf meiner Staffelei.
Ich blicke auf Lackspuren, Astlöcher, Abschabungen, Verdunklungen, helle Flecken, Risse, Kratzspuren, rauhe und glatte Stellen und Abplatzungen. Es ist benutzt worden, jemand hat etwas abgestellt, etwas ist darauf herumgeschrammt, Flüssigkeiten haben Lack platzen lassen, ein Stück am Rand ist weggebrochen…
Diese Vielgestaltigkeit einer Oberfläche, lässt mich staunen. Immer wieder.
Ich vergleiche mein Holz mit einem ungeschminkten Gesicht…Die Oberfläche erzählt Geschichten, wenn man sich die Zeit und die Sinne dafür nimmt. Und ich will es nicht überschmincken, abschmirgeln, „schöner machen“. Sondern ihm zuhören und aus diesen geflüsterten Geschichten etwas Neues erschaffen.
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Schon oft hatte ich abgebrochene Hölzer, über die der Spender gesagt hatte: „Des muast hoit no oschnein ! Ab- bzw. zuschneiden sollte ich es.Das habe ich nie getan.
Höchstens etwas geglättet habe ich die Bruchstellen, denn verletzen soll sich natürlich niemand an den Bildern. Manchmal hatte ich auch Hölzer mit Oberflächenstrukturen, die so stark geriffelt waren, dass selbst mir Zweifel kamen, ob diese überhaupt bemalbar waren und ich mich nach einem Schleifpapier sehnte.
Bis jetzt war es jedoch immer so, dass es funktionierte.
Natürlich ist es etwas anderes auf einer glatten Oberfläche zu malen, als auf einer, die z.B. auch Zementreste aufweist. Neue Pinsel muss ich wahrscheinlich etwas öfter kaufen, als andere Maler.
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Sobald ich auf die Oberfläche schaue, scheint das der Startschuss für den Ideenhund. So wie andere Hunde begeistert wedelnd ihre Leine bringen, apportiert mein Ideenhund hyperaktiv eine Idee nach der anderen.
Und jetzt erscheint auch die Dame Inspiration und schaut durch ihre langen Wimpern, etwas verächtlich und auch etwas streng auf den ziemlich hektischen Gesellen. Sie hat alle Mühe ihn in Schach zu halten, jedoch meine ich manchmal durchaus ein amüsiertes Glucksen zu hören.
Doch sie weiß hier ist der Zeitpunkt, an dem sie unbedingt eingreifen muss.
Eine gewisse Autorität muss sein!
Und deshalb lässt sie nicht jedes Thema an die Oberfläche, das der Ideenhund apportiert.
Manche Ideen greift sie mit spitzen Fingernägeln und setzt sie zur Seite und manche ergreift sie liebevoll, streicht sanft mit dem Finger über sie und nickt.
Und letztendlich trifft sie die Entscheidungen. Muss sie Entscheidungen treffen.
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Und diese können auch von Tag zu Tag unterschiedlich sein.
So könnte theoretisch aus demselben Brett an einem Tag ein völlig anderes Bild entstehen, als am nächsten.
An einem Tag scheint beispielsweise draußen die Sonne, an einem anderen tastet sich mein Auto durch den Novembernebel in die Werkstatt. Das persönliche interne Wetter ist eben natürlichen Schwankungen unterworfen. Und das beeinflusst natürlich die Wahrnehmung und die Geduld.
An einem Tag fallen besonders die großen, augenscheinigen Formen auf, am nächsten sind es die zarten, feinen Schattierungen und Strukturen, die einen in den Bann ziehen.
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Aber eines ist der Dame Inspiration heilig. Das Holz ist der stärkste und kreativste Impulsgeber. Ohne sein Mitspracherecht läuft gar nichts.
Ganz zu Anfang hatte ich einmal eine vermeintliche geniale Idee für zwei Figuren und meinte diese müssten auf ein Holz gemalt so richtig toll aussehen. Ohne Ansehen der Oberfläche übertrug ich die Zeichnung …und merkte schon während dessen, wie falsch sich das anfühlte.
Unbehaglich, sperrig, komisch…ich konnte das Gefühl nicht wirklich orten.
Das Holz bot mir liebevoll Spuren an, der Ideenhund apportierte und die Dame Inspiration hatte sich bereits elegant in ihrem Sessel niedergelassen. Und was tat ich?
Ich ignorierte mein Team und bestimmte mit meinem Pinsel: Hier ist die beste Idee! Und zwar die fertige aus meinem Skizzenbuch. Keine Diskussion! Basta!
 
Huijuijui.
Das kam gar nicht gut an.
Der Ideenhund winselte und das Gesicht der Dame Inspiration, nahm eine säuerlich gelbgrüne Farbe an, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.
Und was soll ich sagen: Das Bild war „nett“, aber nicht lebendig. Es hatte einfach keinen Ausdruck.
Über Wochen schaute ich es immer wieder an und steckte es schließlich, mich entschuldigend, in den Ofen. Ich schwor meinem Team „Nie wieder“ so zu arbeiten und das tat ich auch.
 
Denn der Moment, wenn sie sich herausheben aus dem Holz ist einfach unbeschreiblich:
Landschaften, Gesichter, Tiere und manchmal skurrile Gestalten, die auch ich nicht einordnen kann, erscheinen einfach. Sind da.
Sie sind auch mir manchmal unverständlich. Ich weiß, wenn sie mich in irgendeiner Form anrühren, dass ich auf dem richtigen Pfad bin.
Mit dem Bleistift in der Hand beginne ich erste Elemente einzuzeichnen. Um ein Astloch herum entsteht zum Beispiel ein Auge, dann ein Kopf und der Körper schliesst sich an. So entstehen Lebewesen. Solche, die es in der Wirklichkeit sehr ähnlich gibt und solche, die aus meinem persönlichen Ideenland stammen.
 
Der Himmel bekommt dann zuerst seine Farbe: Mit Acrylfarben wird mehrschichtig lasierend aufgetragen. Der Untergrund darf und soll noch durchscheinen. Er soll noch seinen persönlichen Charakter beitragen. Und oft kommt dann noch Collagematerial hinzu, um Akzente zu setzen zum Verweilen, zum Hinschauen. Meist ist das Papier aus Fundbüchern, blanko oder bemalt.
 
Ja, und wann oder wie man merkt, ob ein Bild fertig ist und wie es seinen Titel findet, verrate ich ein anderes Mal.
 
Bis dahin viel Freude und frohes Schaffen für Euch und Euer Team.

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